Notruf

 

Das war wieder einer dieser Momente! Wo man eben erst hinterher drüber lacht.

Wir waren gerade am Streichen des Wohnzimmers, als unser mittlerer in den Raum gerannt kam. „Mama, Mama, die Kleinen haben die Polizei gerufen!“ – Bitteeeeee?

Da hieß es mal gaaanz schnell ins Kinderzimmer und gucken was da los ist. Jetzt wo ich drüber nachdachte fiehl auch mir auf, dass es verdächtig ruhig war. Und tatsächlich, da saßen die zwei Kleinsten seelenruhig auf dem Teppich mit dem Telefonhörer in der Hand.

Als ich nach dem Hörer griff hatten die natürlich schnell aufgelegt. Dann mal die Wahlwiederholung anschauen – Schreck lass nach – 5 Anrufe unter 110!!!! Ach du je. „Warum macht ihr denn sowas?“

Hatte ich etwa eine Antwort von den erstaunt drein blickenden Kindern erwartet? Nicht wirklich. Was nun? Also dann, ran. Ich wählte dieselbe Nummer und schon rief mir ein verärgerter Beamter entgegen: „jetzt reicht es aber!“. Kleinlaut versuchte ich mich zu entschuldigen:“ Tut mir leid, ich bin die Mutter der Übeltäter.  Das kommt nicht mehr vor!“. „Das will ich auch hoffen!“ Schon war das Gespräch beendet.

Mein Herz klopfte immer noch, als ich meine fast weinenden Kinder anschaute. Was nun? Anschreien? Bringt eh nix. Nein, wie lernen sie am besten? Die Rädchen in meinem Kopf liefen auf Hochtouren. „Wisst ihr was ihr damit gemacht habt?“

„Wir haben doch nur mal angerufen“. Okay, ich merkte schnell, dass sie die Tragweite gar nicht einzuschätzen wussten. Geduldig erklärte ich Ihnen, dass andere die Leitung brauchten um wirkliche Notfälle zu melden und machte Ihnen an einfachen Beispielen deutlich, wann diese Nummer wirklich gebraucht wird und warum man diese deshalb nur im wirklichen Notfall wählen darf.

Das schlechte Gewissen sah ich Ihnen sofort an. Doch dann hatte ich eine Idee. Wie wäre es mit einem Bild als Entschuldigung für den gestressten Polizisten am Telefon?

Davon waren die Kleinen sofort begeistert. Sie gaben sich unheimlich viel Mühe und zauberten ein tolles Buntstiftbild mit Polizeiwagen und bunten Blumen. Dann fuhr ich mit Ihnen zur Polizeiwache nach Limburg. Bour was hatten die auf einmal Respekt! Kleinlaut hinter mir betraten sie die Polizeiwache. Ich schob sie allerdings nach vorne und erklärte: “Euer Part!“

Sie konnten kaum über diese hohe Theke gucken, aber da reagierte der eine Beamte auch schon. Er kam hinter der Theke hervor und bückte sich zu den Kindern. „Na was habt ihr denn für ein Anliegen!“ „Wir waren böse, aber das wollten wir ja gar nicht.“, gaben sie kleinlaut zu. Der Polizist schaute fragend zu kurz zu mir hoch. Aber mein Grinsen ließ ihn weiter zu hören. Die zwei erzählten von Ihren Anrufen, aber auch, dass sie schon verstanden hatten, dass das eigentlich „doof“ war. Und dass sie das Bild als Entschuldigung abgeben wollten.

Diesen Beamten kann ich nur hochlobend erwähnen, denn er nahm dieses selbst gemalte Bild freudestrahlend entgegen, bedanke sich und sicherte zu, dass sie im wirklichen Notfall jederzeit anrufen könnten und die Polizei dann gerne hilft.

Stolz und total erleichtert gingen meine zwei kleinen Verbrecher mit mir ans Auto. Die waren wie erlöst und begeistert von der Nettigkeit des jungen Mannes. Ich selbst aber auch. Denn diese Erfahrung hat meinen Kindern sehr viel gezeigt und gelehrt. Danke an die Polizei Limburg für das Verständnis und den tollen Umgang.

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