Kommunion und Gruppenzwang

                                                    

Mir tun ja echt die ganzen Eltern leid. Nein, nicht die Ganzen, nur die, die sich genötigt fühlen sich wieder mal dem Gruppenzwang zu ergeben.

Nur weil ein paar Übermütter meinen zeigen zu müssen, dass sie alles für das Kind tun und investieren. Die brauchen anscheinend diese Bestätigung von außen.

Das bekomme ich gerade wieder bei meine Freundinnen und Kollegen mit. Die diesjährige Kommunion steht an und ständig gibt es was zu meckern. Aber das auch durchaus zu recht!

Bei uns war es damals ja schon echt schlimm, aber heute scheint das noch mal schlimmer geworden zu sein. Was manche Eltern aber auch für einen Ambra um diese Tage halten.

Die Kirche macht es sich aber auch wieder einmal viel zu einfach. Selbst der Kommunionunterricht wird auf die Eltern abgewälzt. Und die Anzahl der Elternabende steigt  kontinuierlich. Manchmal frage ich mich, wer hier eigentlich zur Kommunion geht.

Dann ist es ein MUSS, dass Fotos gemacht werden. Natürlich wird nur ein Fotografierender in der Kirche geduldet, da heißt es dann wohl oder übel einen Fotografen bestellen und alle schön bezahlen. Dieser macht natürlich die Fotos in der Kirche und zusätzlich noch Einzelportraits der Kinder nach der ganzen Prozedur. Und das lassen die sich teils wirklich gut bezahlen.

Dann gibt es noch die Deko. Aber nicht nur zu Hause, nein, auch in der Kirche. Wieder wird eingesammelt.

Dann ein Dankeschön für die Lektoren und Helfer der Kirche und des Kommunionunterrichts. Wieder geht’s an die Kohle.

Ganz davon abgesehen, wie oft man dadurch Termine hat. Es wundert mich da wirklich nicht, dass manch einer dann die Schnauze so voll hat, dass man ihn bis zum Weihnachtsgottesdienst gar nicht erst mehr in Nähe einer Kirche sieht.

Und dann natürlich noch die Kleidung. Manch ein Mädel sieht schon aus wie eine Braut. Finde ich persönlich voll übertrieben.

Ach ja, die Kommunionkerzen! Am besten gleich wieder eine Sammelbestellung, bei der man wieder zur Kasse gebeten wird. Und wehe man möchte sich hier nicht anschließen. Wie kann man nur. Die Gemeinschaft geht doch vor! Wirklich? Nein.

Finde ich nicht. Ich muss kein Foto in der Kirche haben, was mich teuer zu stehen kommt, ich kann selbst draußen fotografieren und das reicht dicke! Ich möchte keine prunkvolle Deko im Kirchengebäude, denn die Kinder sollen die Hauptrolle spielen und denen fällt es während des Gottesdienstes gar nicht auf wie viele oder welche Blumen da für ein paar Stunden angebracht werden. Und ich brauche keine neue Kommunionkerze, denn ich finde die Tradition viel schöner, die Taufkerze für diesen Anlass wieder hervorzuholen. Ebenso brauche ich auch kein überteuertes Brautkleid für mein kleines Mädchen, was es schnell wieder ausziehen muss damit es nicht dreckig wird und das höchstens noch an Fronleichnam noch mal benutzt wird, falls es da noch passt. Ich brauche auch keine speziellen Kommunionschuhe, nur damit die eine helle Sohle haben und zum Kleid passen. Meiner Meinung nach kommt der eigentliche Sinn hier viel zu kurz.

Ich möchte dem Kind viel lieber den Sinn der Gemeinschaft vermitteln, die Freude aufgenommen zu sein und nicht den des Überflusses und der Anpassung. Es geht um das Kind und nicht um das drum herum. Nicht jeder kann sich dieses Brimborium leisten und genau da sollte man zeigen, dass alle trotzdem gleichermaßen dazu gehören. War das nicht ein kirchlicher Grundgedanke?

Liebe Kirche, ich wünsche mir, dass ihr wieder etwas zu den Wurzeln zurück kommt.

Nicht was die moderneren Ansichten angeht, sondern in dem was gelebt wird.

Unser damaliger Pfarrer hat noch Gemüse angebaut und das an arme Leute im Dorf weitergegeben. Er hat mit uns Kindern auf dem Schulweg geredet und uns einen schönen Tag gewünscht. Er war mitten drin und ist nicht nur mit dem Auto auf Weg zur Kirche an uns vorbei gefahren. Wir hatten noch Kommunionunterricht bei ihm und habe ihn da näher kennen und schätzen gelernt. Diese Bindung verliert ihr leider manchmal. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber sicher könnte hier an der Präsenz und dem Miteinander gearbeitet werden.

Ich kann die Eltern verstehen, die sich gegen diesen kommerziellen Part stellen. Und ich finde es gut, wenn sie nicht zu allem ja und amen sagen. Da muss man auch kein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man mal nicht mitmachen möchte. Seit mutig – jeder ist was Besonderes, Eigenes und nicht einer von vielen, weil „man“ das so für alle beschlossen hat.

Ich wünsche euch Kraft.

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