Großfamilie – man wächst mit seinen Aufgaben

 

Da wo ich jetzt stehe, stand auch ich nicht immer. Es hat viel gekostet, aber es ist jede einzelne Sekunde wert.

Ich habe mich dafür tierisch gequält, musste verdammt viel Disziplin haben und massig organisieren. Ich war die Woche über alleinerziehend und musste ja irgendwie trotzdem der Familie gerecht werden, den Haushalt im Griff halten, Termine wahrnehmen, mich um die Schule der Kids kümmern und vieles mehr. Ich hatte Momente, wo ich weinend allein im Bett saß und verzweifelt vor mich hin seufzte. Da hab ich mich auch gefragt „wofür?“. Warum muss ich mir das antun? Andere haben zwei Kinder und bleiben zu Hause oder gehen nur halbtags arbeiten. Meint ihr das würde ich nicht auch gerne mal haben? Aber dann reicht ja das Geld nicht. Und die Rente später auch nicht. Klar, dann kommen sofort die Ersten aus der Ecke gesprungen und meinen ich wäre ja selbst dran schuld, weniger Kinder hätten es ja auch getan. Nein! Hätten es nicht. Vier Kinder habe ich mit in die Ehe gebracht und zwei kamen von meinem Mann hinzu. Wir lieben unsere Kinder über alles und ich möchte Ihnen nicht zeigen, wie es ist Harz IV zu bekommen und ständig sagen müssen „Das können wir uns nicht leisten.“ Ich möchte, dass sie normal groß werden und auf nicht viel verzichten müssen. Zumindest nicht auf einen guten Start ins Leben. Klar, wir können trotz dass wir beide voll arbeiten gehen vieles einfach nicht aus Geldgründen. Somit fallen Freizeitparks, Reisen – außer Ferienhaus am Meer, Autos für die Führerscheinneulinge, einfach so mal essen gehen, auch Kino mit alle Mann oder Ähnliches aus. Selbst Eis essen gehen wird bei acht Personen mit je zwei Bällchen schon echt teuer. Da sehne ich mich manchmal nach den alten Zeiten, wo ich sage und schreibe für 10 Pfennig eine Kugel Eis bekommen habe. Heute leider nur noch selten unter einem Euro zu finden.

 

Inzwischen habe ich gelernt mich zu organisieren und zu verzichten. Disziplin zu haben und stark zu sein. Ich bin mit meinen Aufgaben gewachsen. Doch manchmal wünscht man sich einfach mal schwach sein zu dürfen, sich hängen zu lassen und durch zu atmen, ohne sich Gedanken machen zu müssen „was kommt dann, wie bezahle ich das, was muss noch erledigt werden, usw.“ Wenn ich auch nur einen Abend keine Wäsche mache, drückt das Gewissen am nächsten Tag schwer mit der doppelten Menge auf mich nieder. Selbst schuld? Ja, eigentlich schon. Ich wollte die Kinder und will sie immer noch. Ich will, dass sie geborgen mit Liebe aufwachsen, fest im Leben stehen, gut versorgt sind, zu schätzen wissen was sie haben, nie aufgeben, immer an das Gute glauben und auf eine schöne Zeit zurückschauen können. Das ist es mir wert und das will ich!

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